Texte zur Inspiration


Vom Umgang mit der Wut

Wut ist kostbar. Sie ist uns mitgegeben, um uns selbst im Eigenen zu spüren und zu wahren.

Achte darauf, wenn sie in dir entsteht. Finde sie spannend, bewerte sie nicht, sondern versuche erst einmal, sie einfach nur in dir wahrzunehmen und dann zu verstehen, was sie dir sagen möchte.

Es gibt keine falschen Gefühle. Was auch immer sich an Gefühlen in uns zeigt, will uns helfen, zu uns zu finden. Als eine solche Hilfe wollen Gefühle weder beurteilt und weggemacht, noch einfach ausgelebt werden. Sie brauchen einen verstehenden Bezug.

Wut ist, wie auch andere sogenannten negativen Gefühle, dazu da, die eigene Form, das eigene Ich zu bilden. Sie löst uns von der Verstrickung mit einer anderen Person, führt in die Unterscheidung, ins Eigensein und ins Anderssein.

Wut enthält eine unglaubliche Kraft und Energie. Wird sie einfach nur ausgelebt und abreagiert, verlierst du die in ihr enthaltene Gabe, dich zu finden und eine eigene, individuelle Person zu werden.

Wut braucht einen Bezug, etwas in dir, das nicht von ihr gefühlsgesteuert ist, sondern daneben steht, und ein verstehendes Bewusstsein dazu bildet. Damit sich das entwickelt, ist es kostbar, ein Gegenüber zu haben, das hilft, Wut da sein zu lassen, sie in ihrem ganzen Ausmaß zu halten und damit umzugehen. Ein solches Gegenüber lässt innere Bezogenheit wachsen, so dass Wut uns nicht beherrscht, sondern zur wirklichen Hilfe werden kann.

Wut ist keine Aussage über einen anderen Menschen. Wenn du sie gegen den Anderen richtest und dort abreagierst, verlierst du dich und deine eigene Mitte und endest in Kampf und Konflikt.
Genauso ist es selbstvernichtend, Wut gegen sich selbst zu richten, denn dann gehen der liebevolle Selbstbezug und das Vertrauen in das eigene wahre Wesen und die innere Stimmigkeit verloren.

Wut ist ein Warnsignal, das uns helfen möchte, zu uns zu kommen und bei uns zu bleiben. Sie will uns helfen, uns im Eigenen zu finden und zu leben, Grenze und Unterscheidung zu spüren und ein inneres Nein zu bekommen. Sie zeigt uns, dass etwas für uns nicht stimmig ist, wir es anders sehen.

Wut hilft, zur eigenen Position und zu Worten zu finden - manchmal nur in unserem Inneren, manchmal auch, um uns nach außen zu vertreten. Sie schenkt uns Ich-Sätze, und da sie kein Urteil über andere Menschen enthält, können wir lernen, andere in ihrem Sosein anzuerkennen ohne deshalb das Eigene zurückzustellen.

Wut bedeutet nicht, dass wir uns immer durchsetzen, dass wir gewinnen und andere bekehren wollen. Sie ist im Gegenteil dazu da, dass, auch wenn etwas gar nicht so ist, wie wir es wünschen, wir das Eigene und die innere Bezogenheit wahren können, so dass wir mit dem Tieferen und Unvernichtbaren in uns verbunden bleiben, was auch immer geschieht.

Wut ist als hohe Energie und Lebenskraft auch körperlich wahrnehmbar. Sie kann in die Wirbelsäule fließen und helfen, einen geraden Rücken zu bekommen, um sich hinzustellen, sichtbar zu sein und zutiefst authentisch und wahr zu werden. Sie enthält dann eine Wirkweise, die über eigenes Tun weit hinausgeht und einen Schutz, der durch Verbundenheit mit einer höheren Kraft entsteht.


Eva Neuner, Februar 2018

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